Suchergebnis: Katalogdaten im Frühjahrssemester 2020

Geschichte und Philosophie des Wissens Master Information
Grundlagenfächer
Vorlesungen und Vorlesungen mit Übungen
NummerTitelTypECTSUmfangDozierende
851-0101-01LEinführung in die praktische Philosophie
Besonders geeignet für Studierende D-MAVT, D- MATL
W3 KP2GL. Wingert
KurzbeschreibungDie praktische Philosophie hat es beschreibend und bewertend mit dem Praktischen, also mit dem Bereich des Handelns und der Praktiken, mit Normen für Handlungen und mit Werten von Personen und Gesellschaften zu tun. Ethik und politische Philosophie sind ein Teil von ihr. In diesem Einführungskurs werden eine Reihe von zentralen Autoren und Problemen der praktischen Philosophie erörtert werden.
LernzielAm Ende des Kurses hat man bei aktiver Teilnahme (1) kulturell bis heute einflussreiche Antworten auf einige zentrale Fragen (siehe unter "Inhalt") der praktischen Philosophie kennengelernt. Man kann (2) ihre Überzeugungskraft schon etwas abschätzen, und (3) man denkt präziser in normativen, darunter ethischen Fragen. Denn man macht im eigenen Urteilen einen disziplinierteren Gebrauch von Schlüsselbegriffen wie dem Guten, dem Richtigen, von Moralität, Recht, Freiheit usw.
InhaltDie Ethik ist die Lehre vom Guten, das vom bewussten, intentionalen Verhalten (=vom Handeln) erreicht werden kann. Sie ist ein wesentlicher Teil der praktischen Philosophie. Deshalb gehört zu den zentralen Fragen der praktischen Philosophie, die im Kurs behandelt werden, die Frage:

1. Was bedeutet "gut" und "schlecht" in der ethischen Sprache? Was meint man mit "gut", wenn man sagt: "Freiwilligen Arbeit beim <Roten Kreuz> ist gut"? Meint man zum Beispiel, das Tun sei nützlich oder es sei altruistisch oder fair?

Weitere Fragen werden sein:

2. Lassen sich moralische Urteile wie "Niedrigere Steuern für reiche Ausländer im Kanton <Zug> sind ungerecht" oder "Jede Person muss das Recht haben, jede Religionsgemeinschaft zu verlassen" begründen? Wenn ja, wie weit reicht die Begründung dafür?
Stimmt es, wenn man sagt: "Man kann zwar nachweisen, dass die Aussage wahr ist: (a) Die Stickstoffdioxid-Belastung in Zürich hat den zulässigen Grenzwert überschritten (80 mg/m3). Man kann aber nicht nachweisen, dass die Aussage wahr ist: (b) Heutzutage hat die Ungleichverteilung von Reichtum auf der Erde die zulässigen Grenzen überschritten. (a) stellt objektive Tatsachen fest, (b) drückt eine bloß subjektive, wenn auch vielleicht verbreitete Wertung aus."

3. Was charakterisiert gerechte Gesetze, und wie ist das Verhältnis zwischen Recht und Moral zu verstehen?

4. Recht und Moral setzen voraus, dass Personen frei sind. Ist diese vorausgesetzte Freiheit eine Illusion?

Solche Fragen sollen zum Teil im Rückgriff auf klassische Texte aus der westlichen Philosophiegeschichte behandelt werden (u.a. Platon, Aristoteles, Thomas Hobbes, David Hume, Immanuel Kant). Zeitgenössische Philosophen wie Jürgen Habermas, Thomas Nagel, Ernst Tugendhat oder Bernard Williams werden ebenfalls einbezogen werden.
LiteraturZur Vorbereitung:

-Dieter Birnbacher, Analytische Einführung in die Ethik, 2. Aufl. Berlin: de Gruyter Verlag 2006.
- Simon Blackburn, Denken, Darmstadt: Primus Verlag 2001, Kapitel 3 und 8.
- Philippa Foot, <Tugenden und Laster> sowie <Moral, Handlung und Ergebnisse> beide in: dies., Die Wirklichkeit des Guten. Moralphilosophische Aufsätze, Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch 1997.
- H.L.A. Hart, <Der Positivismus und die Trennung von Recht und Moral> (1958), in: ders., Recht und Moral, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1971, S. 5-57.
- Detlef Horster, Rechtsphilosophie zur Einführung, Hamburg: Junius Verlag 2002
- Robert Kane, <Introduction: The Contours of the Contemporary Free Will Debates>, in: ders., (Hg.), The Oxford Handbook of Free Will, Oxford 2002.
– Thomas Nagel, Die Grenzen der Objektivität. Philosophische Vorlesungen, Stuttgart: Reclam 1991.
- Ulrich Pothast, <Einleitung> in: ders., (Hg.), Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Frankfurt/M.: suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1978, S. 7-31.
- Bernard Williams, Der Begriff der Moral. Eine Einführung in die Ethik, Reclam: Stuttgart 1976.
- Peter Winch, Die Idee der Sozialwissenschaft und ihr Verhältnis zur Philosophie, Frankfurt/M.: suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1974 (Kap. II: <Das Wesen sinnvollen Verhaltens>).
Voraussetzungen / BesonderesDer Kurs wird eine Mischung aus Vorlesung und Seminar sein. Leistungspunkte können durch Essays zu vorgegebenen und zu frei gewählten Themen erworben werden.
853-0726-00LGeschichte II: Global (Anti-Imperialismus und Dekolonisation, 1919-1975)W3 KP2VH. Fischer-Tiné
KurzbeschreibungIn der Vorlesung soll ein Einblick in die verschiedenen Wege zur Unabhängigkeit ehemaliger Kolonien in Asien und Afrika seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts präsentiert werden.
LernzielDen Studierenden soll in dieser Vorlesung ein Einblick in die Geschichte der aussereuropäischen Welt gewährt werden, wobei sowohl deren politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Transformation auf dem Hintergrund kolonialer Durchdringungsstrategien sowie des Widerstandes antikolonialer Bewegungen erläutert werden soll. Damit soll sichtbar werden, dass Gesellschaften in Asien, Afrika und dem Pazifik nicht einfach Produkte kolonialer Durchdringung oder antikolonialen Widerstands sind, sondern dass beides in jweils unterschiedlichem Mass die heutige politsche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Eigen- und Fremdwahrnehmung dieser Weltteile in erheblichem Ausmass bestimmt. Eine differenzierte Kenntnis des langen und schwierigen Dekolonisationprozesses ist daher wichtige Voraussetzung für ein Verständnis der heutigen weltpolitischen Lage, die noch immer von dem Streben nach einer gerechteren post-imperialen Weltordnung gekennzeichnet ist.
LiteraturJansen, J.C. und Osterhammel, J., Dekolonisation: Das Ende der Imperien, München 2013.
Voraussetzungen / BesonderesEin ausführlicher Sitzungsplan wird rechtzeitig aufgeschaltet unter Link
851-0148-00LEinführung in die Philosophie: Propheten, Richter, Narren, Ärzte
Findet dieses Semester nicht statt.
W3 KP2VM. Hampe
KurzbeschreibungStudierenden der Natur- und Technikwissenschaften soll ein Überblick über die Formen des Philosophierens gegeben werden und Anfänger in diesem Fach sollen eine Einleitung erhalten.
LernzielStudierende der Natur- und Technikwissenschaften soll ein Überblick über die Formen des Philosophierens gegeben werden und Anfänger in diesem Fach sollen eine Einleitung erhalten. Für den Leistungsnachweis muss ein kritisches Protokoll einer Vorlesungsstunde nach Wahl verfasst werden (ca. 5-7 Seiten).
InhaltPhilosophie tritt in verschiedenen Formen auf: Als Gegenwartsdiagnose, aus der Prognosen folgen, als Beurteilung des Verhaltens und Denkens, als Beobachterkommentar, der Widersprüche in den menschlichen Verhältnissen benennt und als Therapie praktischer und theoretischer Verwicklungen. An Texten von Platon, Kant, Morus, Nietzsche, Carnap, Heidegger, Wittgenstein u.a. wird in die Vielfalt der phil. Denkweisen eingeführt.
SkriptDas Skript der Vorlesung ist unter der folgenden internetadresse zu finden: Link
LiteraturMichael Hampe, Propheten, Richter, Ärzte, Narren: Eine Typologie von Philosophen und Intellektuellen, in: Martin Carrier und Johannes Roggenhofer (Hg.) Wandel oder Niedergang? Die Rolle der Intellekturelln in der Wissengesellschaft, Tranbscript Verlag, Münster 2007
Voraussetzungen / BesonderesKreditpunkte und benotete Leistungsnachweise können durch Schreiben eines krtiischen Stundenprotokolls erworben werden. Es wird ein begleitendes Tutorium nach Vereinbarung zur Betreung der Leistungsnachweise angeboten.
851-0125-65LA Sampler of Histories and Philosophies of Mathematics
Besonders geeignet für Studierende D-CHAB, D-INFK, D-ITET, D-MATH, D-PHYS
W3 KP2VR. Wagner
KurzbeschreibungThis course will review several case studies from the ancient, medieval and modern history of mathematics. The case studies will be analyzed from various philosophical perspectives, while situating them in their historical and cultural contexts.
LernzielThe course aims are:
1. To introduce students to the historicity of mathematics
2. To make sense of mathematical practices that appear unreasonable from a contemporary point of view
3. To develop critical reflection concerning the nature of mathematical objects
4. To introduce various theoretical approaches to the philosophy and history of mathematics
5. To open the students' horizons to the plurality of mathematical cultures and practices
851-0157-84LGesundheit und Krankheit
Besonders geeignet für Studierende D-BIOL, D-HEST
W3 KP2VM. Hagner
KurzbeschreibungGesundheit und Krankheit gehören zu den zentralen Bedingungen menschlichen Daseins. Entsprechend haben sich die Vorstellungen und Theorien darüber im Lauf der Geschichte erheblich verändert. In der Vorlesung geht es darum, die wichtigsten Stationen dieses historischen Wandels von der Antike bis in die Gegenwart im transkulturellen Vergleich vorzustellen.
LernzielDas Ziel dieser Veranstaltung besteht darin, einen breiten Überblick über Konzepte von Krankheit und Gesundheit in unterschiedlichen historischen Kontexten zu vermitteln.
851-0004-00LIrrtümer, Täuschungen, Lügen und verwandte PhänomeneW3 KP2VM. Hampe, H. Fischer-Tiné, D. Gugerli, M. Hagner, A. Kilcher, R. Wagner, U. J. Wenzel
KurzbeschreibungIrrtümer, Täuschungen und Lügen sind Erscheinungen, die zur Wissenschaft, ihrer Anwendung und Deutung gehören. Diese Ringvorlesung der Wissenssektion beleuchtet diese Phänomene in unterschiedlichen Disziplinen, zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen politischen Kontexten.
LernzielErwerb von Kenntnissen zur Systematik und Geschichte epistemischer Fehlleistungen in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und zu unterschiedlichen Zeiten.
InhaltIrrtümer, Täuschungen und Lügen sind Erscheinungen, die zur Wissenschaft, ihrer Anwendung und Deutung gehören. Diese Ringvorlesung der Wissenssektion beleuchtet diese Phänomene in unterschiedlichen Disziplinen, zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen politischen Kontexten. Es werden Fälle von Fehlinterpretation, Datenfälschung, Pseudowissenschaft und Ideologisierung vorgestellt und diskutiert.
851-0521-00LComputer Geschichte. Eine EinführungW3 KP2VD. Gugerli
KurzbeschreibungDie Vorlesung geht der Frage nach, wie die Welt in den Computer kam. Die Geschichte dieses grossen Umzugs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird erzählt anhand von Engpässen, deren Überwindung neue Schwierigkeiten hervorgebracht hat.
LernzielDie Studentinnen und Studenten lernen die Wirkungen technikhistorischer Erzähl- und Argumentationsweisen zu verstehen.
SkriptDas genaue Programm wird zu Beginn des Semesters vorgestellt.
851-0100-00LWas ist Wahrheit? Philosophische Konzeptionen eines entscheidenden BegriffsW3 KP2GL. Wingert
KurzbeschreibungWahrheiten sind merkwürdige Gebilde. (1) Sie hängen von uns ab. Denn es sind Sätze oder Überzeugungen von Menschen, die wahr oder falsch sein können. (2) Sie sind keine Knetmasse in unseren Händen. Es liegt nicht an uns, ob unsere Meinungen wahr sind. Wie passen (1) und (2) zusammen? In der Antwort darauf werden wir die Beziehungen zwischen Wahrheit, Tatsache und Objektivität untersuchen.(392 Z.)
LernzielWer aufmerksam teilnimmt, sollte Folgendes erreicht haben:

1. eine gewisse Kenntnis, was einige einflussreiche Antworten in der Philosophie sind, wie man Wahrheit verstehen soll (als Korrespondenz einer Meinung mit den Tatsachen; als Stimmigkeit/Kohärenz von Meinung und Erfahrung; als das, was alle Anfechtungen übersteht);

2. ein gründlicheres Verständnis, was das Verhältnis zwischen Wahrheit und Fakten ist;

3. eine Kenntnis von Argumenten dafür, dass Objektivität als Haltung von X auf einen strebenden Bezug zu Wahrheiten angewiesen ist, ohne dass X deshalb sich wie der katholische Papst für unfehlbar halten muss;

eventuell (je nach verfügbarer Zeit):
4. eine Überwindung des Vorurteils: hier die Fakten und die Wahrheit, da die Wertungen und relativen Standpunkte.
Literatur1. Thomas Grundmann, Philosophische Wahrheitstheorien, Stuttgart: Reclam 2019.

2. Bertrand Russell, Probleme der Philosophie, Frankfurt/M. Suhrkamp1978, Kap. 12: „Wahrheit und Falschheit“..

3. Bede Rundle, Facts, London: Duckworth 1993, ch. 1: Facts.

4. Oliver Schlaudt, Was ist empirische Wahrheit?, Frankfurt/M.: Klostermann 2014, Kap. 6: Wahrheit und Praxis.

5. Frank Hoffmann, Die Metaphysik der Tatsachen, Paderborn: Mentis 2008, Kap. 1: Wahrheit; Kap. 5: Tatsachen.

6. Richard Evans, Fakten in der Geschichte, in: ders., Fakten und Fiktionen, Frankfurt/M.: Campus 1998.

7. Crispin Wright, Wahrheit: Besichtigung einer traditionellen Debatte, in: Matthias Vogel/Lutz Wingert (Hg.), Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion, Frankfurt/M.: Suhrkamp 2003.

8. John Dupré, Tatsachen und Werte, in: Gerhard Schurz/Martin Carrier(Hg.), Werte in den Wissenschaften, Berlin: Suhrkamp 2013.
851-0317-00LUniversalwissen. Theorie der Enzyklopädie zwischen Literatur und PhilosophieW3 KP2VA. Kilcher
KurzbeschreibungDie Form der Enzyklopädie ist in der Geschichte des Wissens ebenso prägend wie wandelbar. Sie beruht auf dem Anspruch, sämtliche Gegenstände des Wissens zu erfassen und diese möglichst übersichtlich als Totalität darzustellen. Dabei greift der philosophische Anspruch auf ästhetische und poetologische Darstellungsverfahren zurück, die die enzyklopädische Totalität wesentlich mit erzeugen.
Lernziel1) Überblick über die Geschichte und Theorie der Enzyklopädie bis in die Gegenwart; 2) Theoretisches Verständnis unterschiedlicher Modelle von Enzyklopädie bzw. enzyklopädischer Darstellungsweisen; 3) Verständnis ästhetischer und poetologischer Aspekte der Enzyklopädik; 4) Rolle enzyklopädischer Modelle in Theorie und Geschichte der Literatur.
InhaltDie Form der Enzyklopädie ist in der Geschichte des Wissens ebenso prägend wie wandelbar. Sie beruht auf dem Anspruch, sämtliche Gegenstände des Wissens zu erfassen und diese möglichst übersichtlich als Totalität darzustellen. Dieser Anspruch wird nicht nur medial, sondern auch ästhetisch und poetologisch umgesetzt. Seit der Antike und dem Mittelalter konkurrieren unterschiedliche Modelle, erst recht in der Neuzeit, wo die Vorlesung hauptsächlich ansetzt: topische Ordnungssysteme wurden zunächst durch rationale, dann durch kontingente Formen der Wissensorganisation abgelöst. So hatte im 18. und 19. Jahrhundert das alphabetische Wörterbuch seine grosse Karriere. Die letzte grosse, wesentlich medientechnische Transformation der Enzyklopädie erfolgte im digitalen Zeitalter mit dem Internet und den entsprechenden Enzyklopädien wie der Wikipedia. Der sich dergestalt vielfach wandelnde philosophische Anspruch greift auf eine Vielzahl von ästhetischen Darstellungsformen zurück, die je die enzyklopädische Totalität erzeugen. Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Geschichte und Theorie der Enzyklopädie und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf diese Vielfalt der Formen. Diese werden nicht zuletzt auch in spezifischen literarischen Gattungen und Texten umgesetzt, insbesondere dem Roman.
851-0161-00LDer Streit um die Natur des MenschenW3 KP2VM. Hampe
KurzbeschreibungDie Vorlesung gibt einen Überblick über die Geschichte des Streites um die Bestimmung der so genannten "Natur des Menschen", der lange vor der Etablierung der Erfahrungswissenschaften, die den Menschen erforschen wie Humanbiologie, Psychologie, Soziologie, Ethnologie usw. die abendländische Philosophie bestimmt hat.
LernzielEntwicklung eines kritischen Bewusstseins der Geschichte des Begriffs der "menschlichen Natur", vor allem seines ideologischen und politischen Missbrauchs.
InhaltDie Vorlesung gibt einen Überblick über die Geschichte des Streites um die Bestimmung der so genannten "Natur des Menschen", de lange vor der Etablierung der Erfahrungswissenschaften, die den Menschen erforschen wie Humanbiologie, Psychologie, Soziologie, Ethnologie usw. die abendländische Philosophie bestimmt hat. Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wird die Verwendung dieses Begriffs zunehmend kritisiert. Feststellungen, was der rein spekulativ bestimmten Natur des Menschen vermeintlich entspricht oder widerspricht, haben immer wieder zur Legitimation von normativen Setzungen gedient. Die Vorlesung verfolgt die Geschichte dieses Konzepts von der antiken Metaphysik über die Philosophie der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert bis hin zu den Streitigkeiten zwischen der Philosophie, der Biologie, der Psychologie und Soziologie, die seit dem 19. Jahrhundert im Gange sind.
851-0002-00LPastime, Disciplinary Tool, Mass Culture: A Global History of Sports circa 1700-2000W3 KP2VH. Fischer-Tiné
KurzbeschreibungThe course gives an overview of the historical trajectories of sports and games in various parts of the world since 1700. It seeks to understand sports as leisure activity, method of physical (self-) optimization, political tool and form of mass Entertainment and explores the interrelation of games and sports with moving forces of modernity such as capitalism, colonialism and consumer culture.
LernzielOn one level, the course aims to familiarise students with the historical development of an ubiquitous aspect of modern everyday culture, namely leisure, sports and play. Each case study is used to deepen the participants' understanding of complex historical transformations by telling the story of what has been termed "the ludic diffusion" from a decidedly non-eurocentric, global perspective.
851-0299-00LLiteratur, Kunst und Politik im Fin de Siècle in Paris, Wien, Prag und BerlinW3 KP2VS. S. Leuenberger
KurzbeschreibungDie Epoche von 1885 bis zum Ersten Weltkrieg ist gekennzeichnet durch eine Atmosphäre der Spannung zwischen Endzeitgefühl und radikalem Erneuerungsbegehren. Die Analyse literarischer Texte aus dieser Zeit lässt erkennbar werden, in welcher Weise diese Texte Ereignisse, Tendenzen und drängende Fragen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik verhandeln, reflektieren und zuweilen konterkarieren.
LernzielIn Paris explodieren 1893/94 in der Nationalversammlung und an verschiedenen Orten in der Öffentlichkeit Sprengsätze, als Urheber der Attentate gelten Anarchisten. Auch der Dichter Mallarmé wird hinsichtlich seiner möglichen Mittäterschaft befragt, und er äussert sich sibyllinisch: „Je ne sais pas d’autre bombe, qu’un livre.“ Mallarmé behauptet damit weniger eine Analogie zwischen Poesie und Bombe, er versucht vielmehr, nicht zuletzt in seinem epochemachenden Gedicht Un coup de dés jamais n’abolira le hasard, reale Gewalt in die seiner Ansicht nach viel produktivere ästhetische Gewalt der Kunst einzubinden – so zumindest liest es der Literaturwissenschaftler Patrick McGuinness.
Was sind das für literarische Texte, die die Ereignisse und Entwicklungen um 1900 deuten und deutend vorantreiben? Die Vorlesung, die dieser Frage nachgeht, ist Teil des Kursprogramms Science in Perspective. Die Studierenden lernen zunächst, die Literatur des europäischen Fin de Siècle mit ihren grossstädtischen Zentren Paris, Berlin, Wien und Prag historisch zu situieren: Die Epoche von 1885 bis zum Ersten Weltkrieg markiert den Abschluss des durch Nationalismus, Imperialismus und Kolonialismus geprägten 19. Jahrhunderts und „das Ende einer Welt, die von der Bourgeoisie für die Bourgeoisie gemacht worden war“ (E. Hobsbawm). Neue Erkenntnisse in den Naturwissenschaften führen ab 1885 zu epochalen Umwälzungen in Wirtschaft und Industrie: Erfindungen wie der Benzinmotor, Telefon, Grammophon, Kinematograph, Rotationstiefdruck, Staubsauger, Flugzeug, Fernsehen und der Beginn der Fliessbandproduktion haben die zunehmende Technisierung aller Lebensbereiche zur Folge, die wir heute in noch gesteigerter Form erfahren. Durch das Anwachsen des Industrieproletariats entstehen v.a. in den Grossstädten soziale und politische Spannungen. Gefühle der Erniedrigung durch eine Autorität, die unumschränkt herrscht – der Vater, der Kaiser –, und die Empfindung der Handlungsunfähigkeit bergen sozialen Sprengstoff. Verhinderte politische Mitbestimmung bewirkt bei Teilen des Bürgertums und der Künstler den enttäuschten Rückzug in die artifiziellen Welten des Theaters und des Decadence-Interieurs. „Müdigkeit“ als Ausdruck des Fin de Siècle-Gefühls wird zum Schlagwort der Zeit. Der dynamische Prozess der Individualisierung und Spezialisierung, die Fülle ständig neuer Perspektiven führt zu Ängsten und Krisensymptomen. In diese Zeit fallen die durch den Physiker und Philosophen Ernst Mach formulierte These vom „unrettbaren Ich“ wie auch die Begründung der Psychoanalyse, der Stadtsoziologie und der Massenpsychologie. Zahlreiche Reformbestrebungen im medizinisch-hygienischen, sozialen und religiös-spirituellen Bereich berufen sich u.a. auf neue Theorien in Medizin und Biologie und lösen Debatten über Generationen- und Geschlechterverhältnisse aus.
Die Studierenden erarbeiten sich anhand von Studienfällen aus den literarischen und künstlerischen Strömungen Symbolismus, Jugendstil, Naturalismus, Wiener Moderne und Frühexpressionismus die Fähigkeit, in kompetenter Weise zu diskutieren, wie diese Texte die Fragen und Spannungen der Zeit reflektieren: Etwa, wie manche Autoren die von ihnen empfundene Sprachkrise, das Bewusstwerden der Unmöglichkeit einer Repräsentation der Welt durch Sprache, die mit der Infragestellung der Einheit des Ich einhergeht, zwar konstatieren, sie aber gleichzeitig auch schreibend erfahren wollen, also performen: Dies, indem sie sie in das Modell einer neuen Sprachlichkeit übertragen.
InhaltGelesen werden literarische und diskursive Texte u.a. von Stéphane Mallarmé, Stefan George, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Lou Andreas-Salomé, Ernst Mach, Hermann Bahr, Richard Dehmel, Christian Morgenstern, Sigmund Freud, Bertha Pappenheim, Else Lasker-Schüler, Arthur Schnitzler, Theodor Herzl, Robert Walser und Thomas Mann.
851-0110-00LLa frontière en littératureW3 KP2VM. Enard
KurzbeschreibungDans ce cours, je vais développer une réflexion autour des confins, de
la limite, de la frontière en littérature.
LernzielNous allons nous intéresser entre autres aux sujets du bilinguisme, du multilinguisme et à la
représentation du front dans la littérature de guerre.
InhaltDans ce cours, je vais développer une réflexion autour des confins, de la limite, de la frontière en littérature. Nous allons nous intéresser
entre autres aux sujets du bilinguisme, du multilinguisme et à la représentation du front dans la littérature de guerre. La langue d‘enseignement est le français; en revanche, par définition, s‘intéresser à ces questions suppose que l‘on explore des textes et/ou des domaines linguistiques qui soient loin de la francophonie.
851-0109-00LImmagini pubbliche della scienzaW3 KP2VM. Bucchi
KurzbeschreibungIl corso analizzerà in chiave storica e sociologica le immagini pubbliche della scienza e degli scienziati e i loro principali cambiamenti.
LernzielIn particolare, saranno approfonditi temi quali: il ruolo dell’elemento visuale nella comunicazione della scienza e nella sua rappresentazione pubblica; il ruolo degli ‘scienziati visibili’, con particolare riferimento ai vincitori di premi Nobel; eventi e vicende che hanno segnato la percezione pubblica della scienza e il rapporto tra scienza e società.
InhaltIl corso analizzerà in chiave storica e sociologica le immagini pubbliche della scienza e degli scienziati e i loro principali cambiamenti.
In particolare, saranno approfonditi temi quali: il ruolo dell’elemento visuale nella comunicazione della scienza e nella sua rappresentazione pubblica; il ruolo degli ‘scienziati visibili’, con particolare riferimento ai vincitori di premi Nobel; eventi e vicende che hanno segnato la percezione pubblica della scienza e il rapporto tra scienza e società.
Vari esempi citati e discussi faranno riferimento alla scienza italiana e al suo rapporto con la società e i diversi ambiti della cultura (letteratura, arti visive, gastronomia), con particolare riferimento al periodo che va dalla metà del XIX secolo alla fine del XX secolo.
851-0170-00LThe Birth of Formal Sciences: History and Philosophy of the Relation Between Logic and MathematicsW3 KP2VJ. L. Gastaldi
KurzbeschreibungFormal knowledge, such as mathematics and logic, has a singular capacity to resist historical critique. But what if formality itself had a history - a recent birth and a foreseeable decline? In this course, we will explore this hypothesis by critically assessing the novel relationship between mathematics and logic that emerged in the 19th century, forging our notion of formal.
LernzielDuring the course, students will be able to:
-Acquire a general perspective on the history of formal logic
-Review relevant aspects of the history of modern mathematics
-Obtain philosophical and historical tools for critically assessing the status of formal sciences
-Develop a critical understanding of the notion of formal
-Discuss the methodological capabilities of historical epistemology
InhaltKnowledge reputed to be formal, such as mathematics and logic, has a singular capacity to resist historical critique. Indeed, from a traditional perspective, a historical account of a purely formal statement, like a theorem, can hardly do more than show the inevitable path that led to its evident and thenceforth everlasting truth. But what if formality itself had a history - a relative recent birth and a foreseeable decline? In this course, we will explore this hypothesis by critically assessing the conditions, impact and limits of the novel relationship between mathematics and logic that emerged in the 19th century, forging both the modern notion of formal and the subsequent epistemological status of formal sciences. After discussing the difficulties of a historical (or archaeological, in the sense that M. Foucault gives to this term) approach to formal knowledge, we will present the principal historical circumstances providing the conditions for an unprecedented association between logic and mathematics. This will give us the means to undertake the detailed study of that association, within the context of the most prominent attempts to provide formal deductive languages in the 19th century: those of George Boole and Gottlob Frege. Finally, we will address the limitations manifested by those projects at the turn of the 20th century, putting them into perspective to assess the transformation our notion of formal is experiencing as a result of the proliferation of computational practices.
Seminare
NummerTitelTypECTSUmfangDozierende
851-0147-01LTheorien, Experimente, Kausalität
Findet dieses Semester nicht statt.
Besonders geeignet für Studierende D-PHYS
W3 KP2GR. Wallny, M. Hampe
KurzbeschreibungIn diesem Kurs werden verschiedene Grundbegriffe und Problemstellungen aus der Physik vor einem breiteren historischen und philosophisch-systematischen Hintergrund kritisch reflektiert. Behandelt werden u.a. die Rolle des Experiments, der Materie- und Feldbegriff sowie Kriterien der Theoriebildung.
LernzielDie Veranstaltung soll Studierende in die Lage versetzen, unterschiedliche Ansätze und Problemstellungen aus der Physik, kritisch zu bewerten und dies auch Personen ausserhalb ihres Fachgebiets souverän kommunizieren zu können.
Voraussetzungen / BesonderesDiese Lehrveranstaltung ist Teil der "Critical Thinking"-Initiative der ETH.
851-0158-13LÖkologie und Umweltschutz Belegung eingeschränkt - Details anzeigen
Maximale Teilnehmerzahl: 40

Besonders geeignet für Studierende D-ERDW, D-HEST, D-USYS, D-BIOL
W3 KP2SN. Guettler
KurzbeschreibungIm Begriff „Ökologie“ vermischen sich zwei Bedeutungsebenen: die wissenschaftliche Erforschung von Natur und Umwelt sowie deren Schutz und Bewahrung. Doch wie verhalten sich beide Bereiche – akademische Ökologie und Naturschutzbewegung – historisch zueinander? Wie haben sie sich gegenseitig beeinflusst? Wer waren die zentralen Akteure und was waren ihre gesellschaftspolitischen Motive?
LernzielIm Zentrum des Seminars steht die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Original- und Sekundärtexten zur Geschichte der Ökologie und Umweltbewegung seit dem 19. Jahrhundert.
Die Studierenden lernen wichtige Stationen einer politischen Wissensgeschichte der Ökologie kennen: vom innereuropäischen „Heimatschutz“ und den Naturschutzbestrebungen in den europäischen Kolonien, über die ersten Versuche zur Etablierung eines globalen Naturschutzes in der Zwischenkriegszeit, bis hin zur Umweltbewegung der sechziger und siebziger Jahre im Umfeld von Rachel Carson und der späteren Etablierung „grüner“ Parteien und NGOs. In den Blick geraten zunächst Wissenschaftler_innen und Institutionen, die den Wissenstransfer zwischen den politischen Akteuren und der Wissenschaft ermöglicht haben – von Universitätswissenschaftlern bis hin zu den „Gegenexperten“ innerhalb der Protestbewegungen. Gleichzeitig werden im Seminar Konzepte, Metaphern und Ideen diskutiert, die die wissenschaftliche Ökologie und die Naturschutzbewegung miteinander verbanden, wie etwa „Heimat“,„Lebensraum“ oder das Anthropozän. Dabei wird vor allem die politische Ambivalenz der Ökologiebewegung deutlich: Während mit „Ökologie“ heutzutage meist – und durchaus zurecht – ein progressives Gesellschaftsbild assoziiert wird, waren mit diesem Wissen aus historischer Perspektive immer auch restaurative und reaktionäre Projekte verbunden, die im Seminar ebenfalls behandelt werden.
Die Studierenden entwickeln im Laufe des Seminars die Kompetenz, kritisch und historisch reflektiert mit den Originaltexten und der Forschungsliteratur zur Geschichte der Ökologie und Umweltschutzbewegung umzugehen. Dabei üben sie anhand von kleineren Rechercheaufgaben, sich auch eigenständig durch (wissenschafts)historische Literatur zu bewegen. Ziel ist es, die Seminar gewonnenen Erkenntnisse anzuwenden: Die Studierenden schreiben kleinere (zunächst fiktive) Blog-Beiträgen und diskutieren und teilen diese miteinander.
851-0125-67LStructuralist and Post-Structuralist Approaches to Signs and Knowledge Belegung eingeschränkt - Details anzeigen W3 KP2SR. Wagner
KurzbeschreibungThis course will review some structuralist and post-structuralist approaches to signs and knowledge. It will start from the French structuralist tradition, continue with the "1968 thinkers", and conclude with feminist and queer critiques of knowledge that rely on this tradition. The theories studied in class will be evaluated in terms of their application to science studies.
Lernziel1. To introduce the structuralist and post-structuralist tradition, as well as subsequent queer and feminist critiques of knowledge (the thinkers taught in the course will most probably come from the following list: Ferdinand de Saussure, Jacques Lacan, Julia Kristeva, Michel Foucault, Jean Baudrillard, Jacques Derrida, Judith Butler, and Donna Harraway).
2. To apply the ideas of this tradition to the context of science studies

At the end of the course the students will be able to analyze scientific texts and practices in terms of structuralist, post-structuralist and feminist critique of science.
851-0101-59LScience and Masculinities Belegung eingeschränkt - Details anzeigen W3 KP2SB. Schär
KurzbeschreibungMen have always been over-represented in the sciences. Why is this so? This seminar inquires how male supremacy in science evolved and transformed historically in different places around the world. How was and is science linked to particular images of manliness? How did and do women and non-conforming men around the world nonetheless succeed in doing science?
LernzielStudents will become familiarized with the history of science from the perspective of gender history. Gender Historians understand male dominance in science not as natural phenomenon, but rather as feature in need of historical inquiry and explanation.
The aim of this seminar is therefore to examine different ways historians analyse and explain historical and ongoing male overrepresentation in the sciences. By reading case studies from different parts of the world, students will be able to evaluate firstly how male overrepresentation was and remains linked to legacies of western and middle-class dominance in science. Secondly, they will also explore how women and non-conforming men nevertheless succeed(ed) in science at different historical points in time.
Students will have the opportunity to select a topic from the ETH Zurich's gendered history and write an essay on how masculinity and gender operate(d)s in our university.
InhaltThis seminar treats male overrepresentation in the sciences as a phenomenon in need of historical explanation. Reading case studies from around the world, students will be able to asses how male overrepresentation was and remains linked with legacies of western and middle-class dominance in the sciences. Student will analyze aspects of this history in the case of ETH Zurich in a term paper.
851-0003-00LScience and Food in the Development of the Modern World (1890s–1970s) Belegung eingeschränkt - Details anzeigen W2 KP1SS. G. Sujeet George
KurzbeschreibungThis seminar course aims to offer a historical perspective on the development of modern food systems, agrarian science and global cultures of taste and eating.
LernzielTo understand the links between science and modern food cultures; evaluate the global connections in the formation of national cuisines; analyze how science and the food industry have shaped people’s ideas of taste, nutrition and aesthetics.
InhaltLooking at specific food and non-food commodities cultivated, developed and consumed across different regions in the world through the late 19th and 20th centuries, the course shall try to make sense of the aesthetic, economic and scientific assumptions inherent within the varied food palettes of our modern world. The course shall introduce students to the interlinked and overlapping histories of the development of modern agricultural science, the political economy of food production, distribution and consumption, and ideas of culinary aesthetics and national cuisines.

Students shall engage with the histories and debates around agricultural research, ideas of nutrition and hunger, questions of race, diversity and community belonging, and the troubled narratives of environment and sustainability in industrial agriculture. The course will utilize a combination of historical pamphlets and advertisements, newspaper accounts, as well as contemporary documentary films to engage with some of the core questions around the modern history of food cultures and agrarian science.
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