Patricia Fry: Katalogdaten im Frühjahrssemester 2018

NameFrau Dr. Patricia Fry
Adresse
Wissensmanagement Umwelt GmbH
Idaplatz 3
8003 Zürich
SWITZERLAND
Telefon044 461 33 27
Fax044 461 33 28
DepartementUmweltsystemwissenschaften
BeziehungDozentin

NummerTitelECTSUmfangDozierende
701-0782-00LPraxissicht und Forscherblick: Lernprozesse für eine gelungene Zusammenarbeit1 KP1GP. Fry
KurzbeschreibungUmsetzungsprobleme zwischen Forschung und Praxis werden analysiert und begründet. Die Studierenden lernen mit Exkursion, Videos und Expertendiskussion Sichtweisen und Sprachen verschiedener Akteure sowie Methoden für eine gelungene Zusammenarbeit kennen. Diese Erkenntnisse werden in Fallstudien angewendet. Wichtige Vorbereitung für den Berufsalltag zwischen Forschung und Praxis.
LernzielDie Studierenden können
-aufgrund von Exkursion, Videos, Zitatanalyse und Expertenaustausch die unterschiedlichen Sichtweisen verschiedener Akteure erkennen und analysieren.
-klassische Theorien aus der Wissenschaftsforschung (Denkstile, implizites Wissen) zusammenfassen und damit die Umsetzungsprobleme erklären.
-anhand eines Fallbeispiels von gelungener Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis sowie Texte zum Thema Wissensmanagement hilfreiche Methoden für einen gelungenen Wissensaustausch kennenlernen.
-ein Konzept für ein eigenes Fallbeispiel entwickeln, in welchem sie den Wissensaustausch mit der Praxis durch Einbezug der verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungen wirkungsvoll gestalten (Begleitgruppen, informelle Treffen vor Ort, Erfahrungsaustausch mit story telling usw.)
InhaltDie Lehrveranstaltung greift Umsetzungsprobleme zwischen Forschung und Praxis im Umweltbereich auf, liefert wissenschaftlich fundierte Erklärungen dafür und stellt erprobte Methoden der "Wissensarbeit" aus der Privatwirtschaft vor, welche den Wissensaustausch zwischen den Akteuren fördert.

Folgende Fragestellungen werden in der Lehrveranstaltung behandelt:
1. Weshalb sind Lernprozesse zwischen den Akteurgruppen wichtig und wie können diese ermöglicht werden?
Der Berufsalltag an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis ist anspruchsvoll: Einerseits muss das Wissen aus verschiedenen Disziplinen zusammengeführt werden. Andererseits muss das wissenschaftliche Wissen in praxisrelevante Handlungen übersetzt werden. Dies ist eine grosse Herausforderung. Praxisrelevantes Handlungswissen wird mit allen beteiligten Akteuren gemeinsam erarbeitet. Ein gegenseitiger Lernprozess ist dabei eine wichtige Voraussetzung.

2. Wie können unterschiedliche Sichtweisen der Akteure erkannt und integriert werden?
An der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis treffen Akteure mit unterschiedlichen Sichtweisen (Zielen, Interessen, Methoden), unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Fachsprachen aufeinander. Ein Fallbeispiel aus dem Bodenschutz (FRY 2001) dient als roter Faden, um die unterschiedlichen Sichtweisen zu analysieren und geeignete Methoden vorzustellen. Dabei wird der Einsatz von Video als Prozessgestaltungsmethode speziell diskutiert. Methoden, die unterschiedliche Sichtweisen berücksichtigen, werden von den Studierenden in eigenen Fallbeispielen angewendet und diskutiert.

3. Welche theoretischen Grundlagen sind für die Wissensarbeit relevant und welche Methoden können für den Umweltschutz angewendet werden?
Die für die Umsetzung relevanten klassischen Theorien aus der Wissenschaftsforschung, insbesondere die Theorie des impliziten Wissens (POLANYI) und die Lehre des Denkstils (FLECK) werden vorgestellt. Auf diesen Theorien bauen verschiedene praxiserprobte Methoden der Wissensarbeit aus der Privatwirtschaft auf (DAVENPORT und PRUSAK 2000). Diese Methoden, aber auch die Rahmenbedingungen, unter denen
sie funktionieren, werden in der Lehrveranstaltung anhand von eigenen Fallstudien ausführlich diskutiert.
SkriptFolienhandouts und ausgewählte Literatur werden abgegeben. Das Buch "Bauernsicht und Forscherblick" dient als Grundlage (vgl. Fry 2001).
Literatur- FRY, P. (201?): Social learning videos: A Method for successful collaboration between science and practice. In: Padmanabhan, Martina (editor). Transdisciplinarity: How research is changing to meet the challenges of sustainability. Routledge Series: Studies in Environment, Culture and Society. Editors: Bernhard Glaeser & Heike Egner. Im Erscheinen.
-RAVN, Johan E. 2004. Cross-System Knowledge Chains: The Team Dynamics of Knowledge Development. Systemic Practice and Action Research 17 (3):161-175.
- ROUX, Dirk J., Kevin H. Rogers, Harry C. Biggs, Peter J. Ashton, and Anne Sergeant. 2006. Bridging the Science-Management Divide: Moving from Unidirectional Knowledge Transfer to Knowledge Interfacing and Sharing. Ecology and Society 11 (1):4. [online] URL: http://www.ecologyandsociety.org/vol11/iss1/art4.
- DAVENPORT, T.H., L. PRUSAK 2000: Working Knowledge. How Organisations Manage What They Know. Harvard Business School Press. Boston Massachusetts. 199 S.
- FRY, P. 2001: Bodenfruchtbarkeit - Bauernsicht und Forscherblick. Reihe Kommunikation und Beratung. Hrsg. H. Boland, V. Hoffmann und U.J. Nagel. Margraf-Verlag, Weikersheim. 170 S.
- FLECK, L. 1980: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Erstmals im Jahr 1935 veröffentlicht. 3. Auflage 1994. Suhrkamp Taschenbuch. Frankfurt am Main. 190 S.
- POLANYI, M., 1985: Implizites Wissen. Suhrkamp. Frankfurt am Main. 94 S.
-Einsatz von Video und Begleitgruppen als Umsetzungshilfe:
www.vonbauernfuerbauern.ch
www.nfp61.ch
Voraussetzungen / BesonderesDas Fallbeispiel aus dem Bodenschutz in der Landwirtschaft dient als roter Faden für die gesamte Vorlesung. Wir werden Gelegenheit haben verschiedene Akteure aus der Praxis des Bodenschutzes kennen zu lernen. Dazu werden wir auch ins "Feld" gehen, das heisst an den Ort, wo "praktisches Wissen produziert" wird. Zudem liegt mit dem Projekt "Von Bauern für Bauern" ein erfolgreiches Beispiel vor, wie mit Hilfe von Film und Netzwerken "Umsetzung" gefördert werden kann. Die Übertragung sämtlicher Schritte auf andere Themen wird durch die Bearbeitung von eigenen Fällen ermöglicht.
In der Vorlesung werden vor allem Methoden eingesetzt, die eine aktive Teilnahme der Studierenden ermöglicht: Vorträge, Diskussionen, Arbeitsgruppen, Literaturstudium, Feldexkursion, Filmanalyse usw.

Voraussetzungen: Die Lehrveranstaltung eignet sich als Vorbereitung und/oder als Nachbereitung des Berufspraktikums und der Fallstudien. Fachliche Voraussetzungen werden keine gestellt. Interesse an praxisrelevanten Fragen werden vorausgesetzt.